Adolf Freiherr von Wimpffen

Adolf Freiherr von Wimpffen
Clemens Adolf von Wimpffen, Sohn des Generals Adolf von Wimpffen 1866 gefallen bei Königrätz Gemälde von Orth im Museum der Stadt Wien

Als Sohn des Obersten Dagobert von Wimpffen und der Antonia Baronin Erös de bethlenfalva trat er bereits als Kadett in die österreichische Armee ein  und wurde 1843 zum Oberleutnant im Khevenhüller- Regiment  Nr.35 ernannt. 1848-48 nahm er als Hauptmann am Krieg gegen das Revolutionsheer Ungarns teil, 185o finden wir ihn als Major im Regiment Hoch-und Deutschmeister. 1852 wurde er zum Kommandanten des Infanterie-Lehrbataillons ernannt. 1858 wird er zum Obersten und Kommandanten beim Infanterie-Regiment Benedek Nr.28 in Rastatt ernannt. Noch vor Ausbruch des Krieges gegen Italien wird er zum Generalmajor befördert und zum 7.Armeekorps in Italien versetzt.
In der für die Österreicher so katastrophalen Schlacht von Solferino deckt er den Rückzug des linken Flügels bis abends um 22.oo Uhr. Bei diesen Rückzusgkämpfen   wird er verwundet, sein Verband erleidet schwere Verluste.
An diesem Italienkrieg nehmen nicht weniger als  4 Mitglieder der Familie von Wimpffen teil: Franz v. Wimpffen als Oberbefehlshaber der 2. Armee, Alphons v. Wimpffen als Flügeladjutant des Kaisers Franz Joseph, Heinrich Christian von Wimpffen ,Hauptmann bei der 2. Armee,  und Emmanuel Felix de Wimpffen, der spätere „Sedan-General“ als Kommandeur eines Regiments der französischen Garde.

Nach dem Friedensschluss wird er zur Genesung nach Kolozsvar in Siebenbürgen versetzt. Er wird wegen seiner Verwundung pensioniert, doch als der “Deutsche Krieg” 1866 ausbricht, wird er reaktiviert und zur Nordarmee Benedeks abkommandiert. Hier bildet er eine Brigade, die unter dem Namen „Brigade Wimpffen“ dem X. Armeekorps des Genrals v.d. Gablenz unterstellt wird.Die Brigade besteht aus dem italienischen Regiment Bamberg Nr.13 und dem polnisch – galizischen Regiment Erzherzog Stephan Nr. 58. Sie  besaß eine 4pfündige Batterie und eine Eskadron.

Der Feldzug gegen Preußen war ein voller Misserfolg, gekrönt durch die Schlacht von Königgrätz; das einzige Gefecht, das die österreichische Armee für sich verbuchen konnte, fand bei Trautenau(Trutnov) am 27.Juni statt, und an diesem Erfolg der österreichischen Waffen nahm die „Brigade Wimpffen“ unter seinem Kommandeur, Adolf von Wimpffen entscheidenden Anteil.

Am 26.Juni erhielt Korpskommandant v.d.Gablenz den Befehl,am nächsten Tag die Stadt Trautenau zu besetzen, und die  von Libau anmarschierenden Truppen des preussischen Generals v.Bonin aufzuhalten.
Die Brigade Wimpffen begann ihren 25 km(!) –Marsch um 12.3o Uhr. Noch während sich die Brigade im Anmarsch befand, entwickelte sich um die Stadt Trautenau ein heftiges Gefecht  zwischen österreichischen Dragonern und preussischer Infanterie. Als Wimpffen gegen 16.oo Uhr am Schlachtfeld eintraf, war das Gefecht bereits in vollem Gange. Er erhielt den Befehl, im Zentrum gegen die auf dem Hügel vor Trautenau verschanzten feindlichen Truppen vorzugehen. An der Spitze seiner Truppen kämpft sich der General gegen einen 6o Grad steilen Hang hinauf, wird aber durch ein mörderisches Feuer  zum Stehen gebracht. Dreimal versucht die Brigade, den Hügel St.Johann zu nehmen, dreimal wird ihr Angriff blutig durch die Schnellfeuergewehre  der Preußen zusammengeschossen.Wimpffens Brigade, die sich  aus galizischen Polen und Italienern aus der Gegend von Padua zusammensetzt, verblutete, doch auch die Preußen erlitten schwerste Verluste.Schließlich brach Wimpffens italienisches Regiment in den Ort ein und vertrieb die Preußen in einem mörderischen Häuserkampf.

Die Preußen haben Wimpffens Truppen jedes Mal bis auf 3oo m herankommen lassen und eröffneten dann konzentriert aus ihren Schnellfeuerwaffen das Feuer – zwei preußische Battaillone haben in einer Minute 15 Tausend Schuss abgefeuert. Wimpffens Brigade verlor in einer halben Stunde 13oo Mann. Unter ihm wurde sein Pferd erschossen,er  wurde schwer verwundet; seine Soldaten trugen ihn vom Schlachtfeld.

Theodor Fontane berichtet:”Die Brigade Wimpffen hat sich in zwei Angriffslinien formirt. Zwei Bataillone Erzherzog Stephan links, zwei Bataillone Bamberg-Infanterie rechts neben der Chaussee, so dirigirte sich das erste Treffen gegen die Kapelle von St.Johann. Das zweite Treffen schloss dicht auf. Ein gegnerischer Bericht sagt:` Unser Auge folgte erwartungsvoll. Die Brigade erstieg die ziemlich steil abfallenden Höhen und überschritt mehrere mit der Front parallel laufende Hohlwege, ohne den Zusammenhang zu verlieren.Unter klingendem Spiel blieben die Battaillone im Avancieren, bis auf nächste Distance vor der Kapelle und dem sie umgebenden Wäldchen der Angriff stockte.Von einem verheerenden Kleingewehrfeuer empfangen, war die Brigade nicht im Stande, den letzten vertheidigten Punkt der feindlichen Position zu nehmen. Trotz opfervoller Anstrengungen, sie  musste zurück…`“.
„Die größten Verluste hatten die Brigaden Grivicic und Wimpffen, die, hügelan, in dichten Sturmkolonnen unter das Feuer des Zündnadelgewehrs gekommen waren. Allein das Regiment Bamberg(Padua) verlor über 5oo Mann, darunter 369 Schwerverwundete.“
Aber auch die preußischen Verluste waren überdurchschnittlich hoch – jeder vierte Mann der Verteidiger blieb auf dem Schachtfeld.

Am Abend des 26.Juni galt das Gefecht zwar als gewonnen, doch Wimpffens Brigade hat seine Kampfkraft eingebüßt. Das Korps  v.d.Gablenz verlor an diesem Tag 2oo Offiziere und 46oo Soldaten.

Wenige Tage nach Trautenau, am 3.Juli verlor der General Adolf von Wimpffen  seinen Sohn, den Leutnant Clemens August von Wimpffen vom Mecklenburg-Schwerin –Inf.Reg. Nr. 57,der bei Königgrätz fiel. Auch sein Vetter, Graf Alfons von Wimpffen starb an der Verletzung, die er im Gefecht von Nachod am 27.Juni unweit Könniggrätz erhielt.

Wenn man die späteren Ereignisse betrachtet, waren die hohen Verluste der Österreicher vergeblich; auf Befehl von Benedek zog sich das Korps in weiteren verlustreichen Kämpfen nach Süden zurück, wurde bei  Dohalitzka-Mokrovous in ein Gefecht verwickelt, bei dem es erneut 3 Offiziere und 7o Mann verlor, konnte aber am Ausgang der Schlacht von Königgrätz nichts mehr ändern.

Nach der verlorenen Schlacht wurden die Reste der Brigade Wimpffen im Verband des X.Armeekorps nach Wien beordert,um die Verteidigung der Stadt vorzubereiten.

Nach dem Friedensschluss wurde der General Adolf von Wimpffen  in den  Ruhestand geschickt. Er zog sich  auf sein Gut in Tarna-Mera ( Ungarn) zurück, und heiratete die Tochter seines Bruders, Kalman von Wimpffen, Irma, nachdem seine Frau, Clara von Lauteren am 23.Oktober 1862 gestorben war.

Adolf von Wimpffen hatte mit Clara Lauteren,Tochter einer bekannten Industriellenfamilie zwei Söhne: Clemens August, der wie erwähnt bei Königgrätz starb, und Dyonis Dagobert.
Über Adolf von Wimpffen erschien eine Kurzbiografie aus der Feder von Andreas Thürheim in „Gedenkblätter aus der Kriegsgeschichte der k.u.k.österreichischen Armee“ Wien und Teschen 1882.
Ein Ölgemälde, das ihn in Generalsuniform zeigte, ging im Zweiten Weltkrieg verloren; ein kleines Ölportrait des Oberleutnants Adolf von Wimpffen bei Khevenhüller-Infanterie ist im Besitz von Hans von Wimpffen.(Wimpfen a. N.)

In Trautenau ereignete sich ein Vorfall, der sich zu einem veritablen Kriegsverbrechen der preußischen Armee entwickelt hat, und das sich vier Jahre später, im Deutsch-Französischen Krieg wiederholt hat, im Dorf Bazeilles bei Sedan.
Nachdem preußische Truppen am Vormittag die Stadt besetzt hatten,empfing sie aus verschiedenen Richtungen ein heftiges Gewehrfeuer; es waren Österreicher der Brigade Mondel, die von den Preußen unbemerkt in den Hügeln um Trautenau in Stellung lagen und nur auf die Ankuft der  Brigaden Wimpffen und Grivicic warteten, um dann den Angriff zu starten. Nachdem der Bürgermeister des Ortes, Dr. Roth die preußischen Soldaten dahingehend informiert hatte, im Ort befänden sich keine Österreicher, eine Einheit Dragoner sei abgezogen, meinten die Preußen, die Bevölkerung habe das Feuer aus den Häusern eröffnet. Es begann ein Gemetzel an der Zivilbevölkerung, wahllos wurden Bürger erschossen, mit dem Bajonett getötet, Häuser angezündet. Per Befehl wurde die Plünderung der Stadt durch die preußische Armee angeordnet. Neben den über 4.000 Soldatenleichen lagen in den Strassen überall Leichen der Trautenauer Bevölkerung. Österreichische  Verwundete wurden liegengelassen, nicht versorgt und wenn, wurden verletzte Gliedmaßen von den preußischen Armeeärzten rücksichtslos amputiert.(vgl.hierzu :Matthias Blazek, Die schlacht von Trautenau – Der einzige Sieg Österreichs im Deutschen Krieg 1866,Stuttgart 2012)  Auch der Sohn des Generals Adolf von Wimpffen starb  infolge einer Amputation des rechten Arms und des rechten Beins.

 

Auszug aus dem Werk des tschechischen Autors,Eduard Wondrak “In Bellum 1866”, zur Verfügung gestellt von Jaroslav Dvorak, 2019.
vgl.Fontane, Theodor:Der deutsche Krieg von 1866,Bd.1,S. 372 ff.
München 1979

Von Benjamin Heinrich ORTH (18o3-1875),lebte in München und Mainz

Der tschechische Text von Eduard Wondrak wurde von Herrn Jaroslav Dvorak, (Hradec Kralove) zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um einen Artikel aus der Zeitschhrift “Bellum”. (2019)