Don Lluiz Baron de Wimpffen

Louis (Don Luiz) Francisco de Wimpffen, geboren in Altkirch (Elsass), gestorben in Madrid am 29.Dezember 1831.

Don Lluiz’ Familie stammte aus dem Ort Magdeburg im ostfränkischem Reich Austrasien. Seine Vorfahren waren Heermänner der fränkischen Könige, daher auch ihr ursprünglicher Geschlechter – Name Heermann. Sie waren Statthalter der fränkischen Könige im eroberten Sachsen. Einige Mitglieder des Geschlechts bekleideten im 11.Jahrhundert hohe Ämter: der Magdeburger Probst,Arnold wurde 1044 Bischof von Worms, Conrad,sein Bruder Statthalter in Wimpfen. Hermans Name wurde überliefert durch ein Ritterturnier in Magdeburg. (Archiv Scloss Kainberg)

Im 13.Jahhundert stieg ein Mitglied dieses Geschlechts zu einem der höchsten Würdenträger der Hohenstaufer auf; Wilhelm von Wimpfen war königlicher Vogt und später Hüter der Reichsinsignien auf der Festung Trifels. Er verschenkte seine Güter an die Stadt Wimpfen und ließ sich im Elsass, in der Stadt Hagenau (heute Frankreich) nieder. Seine Nachkommen Bekleideten in dieser Reichsstadt ebenfalls hohe Ämter.Hans von Wimpfen war im 15.Jahrhundert Schöffen von Hagenau, sein Nachkomme Leopold Burgermeister der Reichstadt. Im 14.Jahrhunder ließ sich ein Zweig der Familie in Augsburg und später in Nürnberg nieder, doch sie kehrte im 17.Jahrhundert wieder zurück ins Elsaß. Johann Georg von Wimpffen war Kanzler des aus Polen vertriebenen Königs Stanislas Leszczinsky; von seinen 8 Söhnen traten 7 in den militärischen Dienst von Frankreich, Russland und Österreich, ein Neffe von ihm.Ludwig, der spätere Don Lluiz, trat in das in französischen Diensten stehende deutsche Regiment Alsace ein. So kam es, dass in der Zeit der französischen Revolution und der napoleonischen Ära zahlreiche Mitglieder dieser Familie in den europäischen Armeen dienten und sich in vielen Schlachten der Epoche auszeichneten oder starben: Thionville, Mainz, Austerlitz, Aspern, Wagram, Vitoria, Leipzig sind eng mit dem Namen Wimpffen verbunden.

Ludwig de Wimpffen trat als junger Mann, entsprechend der Tradition seiner Familie ins deutsche Regimen d’Alsace ein. Als Leutnant und später als Major dieses Regiments nahm er an zahlreichen Kämpfen der französiischen Revolutionsarmee teil.

1785 heiratete er die elsässerin Anastasia von Zurbach aus Illfurth.

Luiz de Wimpffen ging 18o4 nach Spanien und übernahm  am 4.Oktober 1804 das Kommando des Schweizerregiments Schwaller,das bereits 1734 vom Kanton Solothurn aufgestellt worden war. Als er das Regimentskommando übernahm, stand dieses bereits im Dienste des spanischen Königs.

Die Offiziere des Regiments schrieben an “Schultheiß und Rat der Stadt Solothurn” einen Brief,  “der nach seiner Form völlig an die Zeit vor 1798 erinnert, wo die Bevölkerung aus zwei Gruppen bestand, Beefehlende und Gehorchende, und welche am 29.Oktober vom Rath verhört wurde” lautet:(zit.: nach Joh.Val.Keller-Tschokke “Fr.Jos.Stephan Voitel v. Solothurn)

“Hochgeachteste Hochzuverehrende Herr Schultheß und Rath des Souverainen Kantons Solothurn.

Zufolge Ihres mächtigen Fürworts geruhten S.M. unser allergnädigster König, laut erlassenem Dekret vom 4. Weinmonat (Vendemiaire), die durch den Hintritt des sel. Herrn Philipp Schwaller erledigte Obrist Stelle durch Major Ludwig Wimpfen zu besetzen.Dies für das Regiment so glückliche Ereignis haben wir allein Ihrer so kräftigen Mitwirkung zu verdanken.; wie gern befolgen wir hiemit den angenehmen Auftrag eines sämtlichen Offivier Corps, Ihnen würdigster Landesvater, in dessen Namen den wärmsten Dank abzustatten. Die Freunden Tränen, die in unsern Augen glänzt, sey Zeuge unseres Dankgefühls und der redenste Beweiss, wie sehr wir das Glück zu schätzen wissen, Herrn Wimpfen zum Obersten zu haben.

Genehmigen Sie Hochgeehrteste Herren, die Zusicherung unserer unterthänigsten Hochachtung.

Tarragona, 14.Weinmonat 1804. Im Namen eines sämtlichen Officier Korps:Aug.Cusa, Aid Major, Philipp Troetta, Antonio Miesch, Jean Wirz,Josef Krutter,Fulgencio Molo, Capitaine,Franz Schernauer,Capitain,Antonio Vivis,Capitain, Louis Fleury,Capitaine,Francesco Voitel,Capitaine.”

 

Die Schweiz und die spanische Krone schlossen am 2.August 18o4 einen Vertrag, der eine Dauer von 3o Jahren haben sollte und der vorsah, dass die Schweiz 6 Regimenter zu je 19o9 Mann dem spanischen König zur Verfügung stellt. Bedingung war die Zugehörigkeit zum katholische Glauben.Ausserdem wurde vereinbart, dass ein Drittel der Mannschaft Schweizer sein musste. Als die napoleonischen Kriege auch Spanien erfassten,standen die Schweizerregimenter Traxler, de Preux, Jeune Reding(Rüttimann), Vieux-Reding,Betschart und Wimpfen im Dienste des Königs von Spanien. Als Joseph Bonaparte den Thron bestieg,weigerten sich die Regimenter Wimpfen, Traxler Vieux-Reding und Betschart in französische Dienste zu treten; dagegen wurden die Regimenter de Preux und Jeune –Reding in die französische Armee eingegliedert.

Unter dem Namen „Wimpfen Nr. 1“, „Primero de Wimpffen“ nahm das Regiment einen entscheidenden Anteil am spanischen Freiheitskampf in den napoleonischen Kriegen und zeichnete sich besonders in der Schlacht von Vitoria aus. Ein Jahr nach Übernahme des Kommandos änderte Wimpfen die Uniform des Regiments, das wie folgt beschrieben wurde: Azul con divisa encarnada, sobre vueltas, collarin y solapa.Chupa o chaleco y calzon blancos.Botonadura de metal blanco con el numero del Regimiento grabado en el centro del boton.
Der Bestand des Regiments Wimpffen, das 1807 in Tarragona, auf der Insel las Madas und Barcelona verteilt war,belief sich am 1. Januar 1808 auf 2056 Mann; darunter waren 562 Schweizer und 1094 Deutsche, vor allem aus dem Elsass, der Heimat von Wimpfen. Wimpfen, der das Kommando führte, war 48 Jahre alt, hatte 26 Jahre Dienstzeit hinter sich und wurde bereits 1804 zum Oberst gefördert. Sein Stellvertreter war Oberstleutnant Viktor Wirz aus Solothurn, 59 Jahre alt mit einer Dienstzeit von 40 Jahren! Der Major Josef Schmidt, ebenfalls aus Solothurn, war 59 Jahre alt, den Wimpffen als 13 jährigen aus Riedholz im Elsass mitnahm, kam so auf eine Dienstzeit von 25 Jahren!

18o7 bezog Wimpffen mit seinem Regiment die Garnison in Barcelona und ging im Auftrag des Königs daran, unter dem Oberkommando des spanischen Generals Trajia,Marques del Palacio aus spanischen Freiwilligen eine Guerillatruppe zusammenzustellen. Die Freiwilligen kamen vor allem aus den Dörfern Santpedor, Sallent, Mola,Igualada, vor allem aber aus Manresa . Die Ausbildung dieser Guerrilatruppe übertrug Wimpffen dem spanischen Generalleutnant Justo de Berriz und dem Guerillaführer Carlos Vicente.

Als am 6.Juni 18o8 bei Bruc (El Bruch) zur ersten Begegnung mit regulären französischen Truppen kam, verfügte Wimpffen über eine ansehnliche Streitmacht; Wimpffens Azul-Regiment bestand aus 3.8oo Mann Infanterie, 2ooo Mann Wallonen und an die 1.5oo katalanischen Freiwilligen-Guerrilleros sowie aus einigen Kanonen. Die französischen Truppen, an die 3.ooo Mann stark mit 2 Kanonen marschierten unter dem Befehl des Kavalleriegenerals Schwartz auf die Städte Manresa und Igualada zu. In Manresa war zuvor ein Aufstand gegen die französische Besatzung ausgebrochen,das Rathaus wurde gestürmt und die französischen Soldaten aus der Stadt vertrieben.Schwartz erhielt den Auftrag, Manresa zu bestrafen und die Truppen Wimpffens zu vernichten. General von Wimpffen hatte über die Kampfkraft seiner bunt zusammengewürfelten – heute würde man sagen „multikulturellen“ Truppe – keine Illusionen gehegt.Kurz zuvor musste er sich mit 3oo seiner Schweizern durch einen französischen Belagerungsring schlagen, nachdem der Gouverneur von Barcelona die Festung Mont Jouich in welchem Teile von Wimpfens Regiment in Garnison lagen, ohne Kampf den Franzosen auslieferte. Die spanische Besatzung leistete keinen Widerstand und die Schweizer entgingen nur knapp der Vernichtung bzw. der Gefangennahme. Beim Herannahen der französischen Truppen wurde in Manresa ein Kriegsrat abgehalten, um über die einzuschlagende Taktik Entscheidungen zu treffen. Wimpfens Vorschlag, mit den schlecht ausgebildeten spanischen Guerrillatruppen eine starre Verteidigung einzurichten, wurde akzeptiert; das Schweizerregiment sollte im Zentrum Carree bilden und die erste französische Angriffswelle auffangen. Von den Bauern der Umgebung wurden in aller Eile Laufgräben ausgeschaufelt , die Strassen mit gefällten Bäumen belegt.

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200-Jahr-Feier am Denkmal  des Tambouren von El Bruc in 2008
Im Vordergrund Soldaten des Regiments Suizo Nr. 1 Wimpffen

Wimpfen hieß den Vorschlag des Guerillaführers Vicente gut, zur Täuschung der Franzosen über die Stärke der schweizerisch-spanichen Truppen eine Kriegslist anzuwenden,die später zur „Legende der Tambouren von El Bruch“ wurde.Der Gueillaführer stellte eine kleine Truppe von 14 Tambouren zusammen,postierte diese auf der Anhöhe in den nahen Bergen am rechten Flügel des in Aussicht genommenen Schlachtfeldes mit dem Auftrag, auf ein vereinbartes Zeichen hin mit dem Trommelschlag zu beginnen. Als Zeitpunkt wurde ein möglicherweise kritischer Augenblick des Schlachtgeschehens vereinbart. Die Franzosen sollten glauben, dass eine mächtig Reserve im Anmarsch sei.
Nach den erfolgreichen zwei Gefechten bei El Bruch wurden die drei “spanischen” Schweizerregimenter zu einer Helvetischen Division zusammengefasst und Wimpfen zu deren Kommandeur ernannt. Auf Grund seiner engen Kontake zu den englischen Invasionstruppen wurde er ins Hauptquartier von Wellington versetzt und übernahm hier dei Aufgaben eines Generalstabschefs der vereingten portugiesisch-spanischen Truppen unter gelichzetiger Beförderung zum Generalleutnant. Der Köniig verlieh ihm nach Abschluss der “guerra de la  Indepencia” das Großkreuz des St.Ferinandsordens, 1818 wurde er  Ritter des St.Hermenegild-Ordens.

Bereits 1814 wurde er in das Bürgerrecht der Stadt Solothurn/Schweiz aufgenommen. Aufgrund seiner Verdienste als Oberkommandant aller Schweizerregimenter in Spanien in 1814,  erließ ihm der Solothurner Stadtrat die Einbürgerungstaxe.
Das Stadtarchiv von Madrid  – Archivo Historico de Protocolos de Madrid , Comunidad de Madrid  – verwahrt umfangreiche Unterlagen über  den Werdegang und Militärkarriere des Generalleutnants, darunter ein Testament von 6 Seiten.(Signatur Tomo: 24921, Folio Inicio 469 r-Folio Final 477 r vom 24. 11. 1815)  Zuständig: Teresa Diez de los Rios San Juan,Direktorin des Archivs.E-Mail: ahpm@madrid.org.
Das Testament des Generalleutnants hat folgenden Wortlaut:
“Testamento que…Don Francisco Louis Wimpffen, Teniente General de los Ejercitos de  S.M.  Catolica, Coronel del Regimento Suizo de su apellid0, gran Cruz de la Real y Militar Orden de S. Fernando de la misma clase de S.Hermenegildo, cavallero de la Orden de la flor de Lys, con differentes decoraciones militares corn0 de las Batallas de Vitoria, de Savou, de Tolosa, del Exercito primer de idem del tercero y quarto etc.etc.”, Ncio en diez Octubre de mil Siete cientoscinquenta y ocho en la ciudad d’Altkirch en la Alta Alsacia,del Dn Jose Louis y de Dona Anastasia Zurbach, es catolico, Apostolico,Romano,conforme 10han sido todos sus asendientes declara:Que sus Padres,Hermanos y Hermanas se hallan ya en mejor  Vida, que con el se acaben los Barones de esta Rama de su familla; que los parientes mäs imendiatos son dos sobrinas,a saver, Dona Theresa y Dona Mariana havidas en su unica Hermana casada que fue con Don Francisco Brauneisen, el que, corno su mujer que se llamaba corno la segunda sobrina Mariana,murieron muchos afios hace.

De las sobrinas ariba mencionadas, nada se de la Dona Theresa, la mayor;La segunda, Dona Mariana, esta establecida en Hirsingen, a una legua de Altkirch, pueblo de su nacimiento, Esta ha adoptado una joven,Dna josefa, corno a su hija y casada corno tal a M.S. Hell, hijo de Hirsingen, y yo declaro que la reconosco corno tal hija,y poder disfrutar de todas las ventajas que las hijas la senalen Ci(?), corno tal.

Am 29.Dezember 1831 schrieb der Offizier des Wimpfener Regiments, Auguustin Cusa an den Landamman von Solothurn:” HerrLudwig Wimpfen, Generalieutenant der Königllichen Armeen in Spanien und Oberst des 1.Schweizerregiments  in dortigen Diensten, am 29.Dez. abhin in Madrid sein thätiges, ruhmvolles Leben geendet hat. Herr General Wimpfen ward ein durch seine persönlichen ausgezeichneten Eigenschaften allgemein geschätzt und in grossem Ansehen stehender Mann; er hat durch seine militärisch ausgedehnten und tiiefen Kenntnisse sich auf eine Höhe geschwungen, die unter den Schweizern eine seltsame Erscheinung ist. Dieser General, unser theuerer Mitbürger, hat im Auslande der Stadt Solothurn, der er angehörte, Ehre gemacht; seinem Andenken möchte also in den Annalen dieser Stadt ruhmvolle und in jeder Hinsicht wohlverdiente Erwähnung geweiht sein.”

Literatur: Schweizer Infanterieregiment von Wimpffen. Haupt Stand welcher in sich enthält die Namen,Vaterland,Alter, Stuffenweise Vorrückung und DienstJahre der Officiers des gesagten Regiments, welche sich in Diensten seiner Katholischen Majestät befinden nebst  vorgefallenen Neuigkeiten vom Monat April 1808 bis Ende Dezember 1814
Palma de Maillorca, 31 desembre 1814
Schweizer Infanterieregiment von Wimpffen…. nebst vorgefallenen Neuigkeiten vom jüngst verflossener Jahr
Palma de Maillorca 1816, 1817, 1819
Rang Listen Der Herrn Staabs und Ober Officiers des Löblichen Schweizer Infanterie Regiments von Wimpffen in Diensten seiner Majestät des Königs von Spanien und Indien
Palma  de Mallorca 1819
Carta de Luiz von Wimpffen a S.E.M.l’Avoyer encharge de la Ville et Canton de Soleure.Incipit: Excellence.Nous venons d’experimenter un changement…
Palma de Maillorca,8.abril 1820
GeneralLieutenant Ludwig von Wimpffen melden dem Vovort (LU) dass das Schweizer Regiment auf Majorka in spanischen Diensten auf die neue Verfassung vereidigt worden
Palma de Maillorca 1820
Luiz de Wimpffen: El Inspector General en comision de los Regimientes de infanteria Suiza al servicio Nacional de las Espanas
Palma de Mallorca, 30 de marzo de 1820
Joseph Valentin Keller-Zschokke: Franz Josef Stephan VOITEL von Solothurn, 1773-1839 Oberstleutnant im 1. Spanischen Schweizerregiment von Wimpffen seine Lebensschicksale
Verlag Vogt-Schild, Solothurn 1929
Bericht des Herrn Generalieutenant von Wimpffen an Seine Excellenz den Herrn Presidenten des Eidgenössischen Vorortes.
Soleure 1825
Valliere,Paul d : Honneur et fidelite des Suisses au Service etranger.