Viktor Graf von Wimpffen

Dem Wunsch seines Vaters entsprechend trat er 1850 in die österreichische Marine ein und wurde Seekadett an der Marineschule in Triest. Anlässlich eines Manövers nahm er tätigen Anteil an der Rettung eines in Seenot geratenen französischen Handelsschiffes, wofür er von der französischen Regierung mit der Legion d’Honneur ausgezeichnet wurde.
1851 erhält er den Rang eines Fregattenfähnrichs, 1854 den eines Linienschiffsfähnrichs. 1857 wird er Fregattenleutnant. In dieser Eigenschaft macht er mit einem österreichischen Flottenverband auf der Korvette „Caroline“ Besuch in Brasilien, Argentinien , am Kap der Guten Hoffnung und an der Westküste Afrikas.
Beim Ausbruch des Krieges 1859 wird er dem Stab der 1. Armee zugeteilt, deren Oberkommandierender sein Vater, General Franz von Wimpffen ist. Sein Name erscheint nach der verlorenen Schlacht in der Liste, derjenigen, die sich durch tapferes Verhalten besonders ausgezeichnet hatten- nach dem damaligen Sprachgebrauch „allerhöchste Belobigung“. Bereits ein Jahr später übernimmt er das Kommando des Dampfschiffes „Stadium“, wird zum Korvettenkapitän befördert und nimmt in dieser Eigenschaft an der Seeschlacht von Lissa teil, in der die italienische Flotte eine schwere Niederlage erleidet. Auch diesmal wird er für sein tapferes Verhalten „ allerhöchst “ belobigt.

1867 scheidet er aus dem aktiven Dienst bei der Marine aus, vertritt diese jedoch 1868 auf dem Berliner Kongress des Roten Kreuzes. Wenig später wird er Präsident des Verwaltungsrates der Niederösterreichischen Südwestbahngesellschaft. 1876 wird er zum Hofrat ernannt und erhält die Berufung zum Generalinspekteur der Österreichischen Staatstelegraphen im Handelsministerium. Sein Biograph Wurzbach schreibt über ihn:“ Eine seiner ersten Leistungen auf diesem Gebiet des Verkehrswesens war die Einführung des telegraphischen Worttarifes in Österreich, durch welchen das jährliche Erträgnis sich um weit über eine Million Gulden erhöhte und dem Publicum doch wesentliche Erleichterungen erwuchsen. Er führte noch andere ersprießliche Verbesserungen des Telegraphenwesens sowohl auf technischem als auf administrativem Felde herbei, begründete mit großen persönlichen Opfern die Altersversorgung der bis dahin stiefmütterlich behandelten Telegraphitsinnen, bereiste im Interesse seines Amtes den größten Teil der Monarchie, nahm 1879 als einer der Delegierten Österreichs Theil an den Arbeiten der internationalen Telegraphenkonferenz zu London und wurde von seiner Majestät dem Kaiser mit der zweiten Klasse des Ordens der Eisernen Krone ausgezeichnet.“

Im Jahre 188o legt er sein Amt als Generalinspekteur nieder, um sich in Zukunft hauptsächlich der Verwaltung seiner Besitzungen zu widmen.
Viktor (Vittorio ) von Wimpffen hat im Januar 186o im schweizerischen Vevey die Tochter des wohl reichsten Mannes der Monarchie, Simon Baron Sina geheiratet.

Die Familie Sina stammte aus der heute zu Albanien gehörenden Stadt Moscopolis; der Vater des künftigen Schwiegervaters, Georg Sina ließ sich 1767 als Kaufmann in Wien nieder und betrieb einen Handel zwischen der Türkei und der Monarchie.Sein Sohn, Georg jun. baute die Geschäftsbeziehungen weiter aus und handelte vornehmlich mit Getreide und Schafswolle. Als er starb, hinterließ er Vemögen von  7o Millionen Gulden inclusive 29  Latifundien mit Schlössern, verteilt auf die Länder der Monarchie.Als bekannter Wohltäter unterstützte er z. B. den Bau der Kettenbrücke in Budapest. Das eigentliche Genie war jedoch dessen Sohn, Simon, unter dessen Leitung die Firma  zu einem Milliarden- Unternehmen der Monarchie wurde.Er gründete ein Bankhaus, baute seine Beteiligung am Bahngeschäft aus und machte sich ebenfalls  unsterblich durch seine Wohltätigkeit: Mit Millionen unterstützte er die Gründungr der Akademie der Wissenschaften in Ungarn und Griechenland, die Nationaltheater in beiden Ländern, kaufte in Venedig das Grassi Palais, in Ungarn das” Sissy”-Palais Gödöllö, in Wien, in Athen Paläste; sein Name steht in Stein gemeißelt an Gebäuden in Wien, Budapest, Venedig, Athen um nur einige zu nennen. Nachdem sein einziger Sohn starb, erbten seine drei Töchter dieses riesige Vermögen.
Sina hatte vier Töchter, die er gern “standesgemäß” verheiraten wollte d.h. die Töchter sollten in die Hocharistokratie der Monarchie einheiraten; da die Töchter jedoch keine ausgesprochene Schönheiten waren, gestalteten sich die Pläne des Vaters schwierig. Dann nahm die Kaiserin Elisabeth die Dinge in die Hand und diese Fürsprache siegte über Hochmut  und  Prüderie der “Standesmäßigen”: Anastasia heiratete den Grafen Viktor von Wimpffen, Irerne den Prinzen Mavrocordatos, Elena den Prinzen Ypsilanti und Iphigenia wurde die Frau des Herzogs de Castries-Languedoc.

Anastasia von Sina hat ein reiches Erbe mit in die Ehe gebracht, ein selbst für damalige Verhältnisse märchenhaftes Vermögen: Paläste in Wien und Venedig, Schlösser in Italien (Battaglia-Terme), Ungarn, ( Ercsi, Erd, Simontornya ) Österreich ( Fahrafeld ), im Banat, riesigen Landbesitz in vielen Teilen der Monarchie.Man schätzte das Vermögen an die 25 bis 3o Millionen Schweizer Franken.Victor von Wimpffen  saß im Verwaltungsrat des Österreichischen Kunstvereins, war förderndes Mitglied der Genossenschaft   Bildender Künste Wiens und der Gesellschaft der vervielfältigenden Kunst (Photographie). Seine Photoarbeiten werden heute noch im Kunsthandel angeboten.

Als ehemaliger Marineoffizier galt sein Liebe der Dampfschifffahrt, die er finanziell unterstützte. Als Mitglied des Verwaltungsrates der Dampfschifffahrtgesellschaft hat er den Aufbau der österreichischen Binnenschiffart aktiv mitgestaltet. Er förderte die Fischzucht und war wohl einer der ersten „Bio-Bauern“ in Österreich.

1863 gründete Viktor von Wimpffen das Gestüt Fahrafeld in Niederösterreich.Er begann die Zucht mit dem Ankauf der arabischen Vollblutstute Sahara aus russischer Zucht, der ägyptischen Araber-Stute Mabruka aus dem Besitz von Ibrahim Pascha , der Stute Siglavy XX aus dem Besitz des Herzogs von Modena, die Halbblut-Araber-Stute, gezogen beim Grafen Zielinski in Galizien und die Araber-Halbblut-Stute Csinos aus dem Besitz seines Schwiegervaters in Gödöllö (Ungarn).
Als ehemaliger Marineoffizier und Sohn des ehemaligen Oberbefehlhabers der österreichischen Marine hat er zusammen mit seinem Vater eine der umfangreichsten Sammlungen an Motoren, Präzisionsinstrumenten, Schiffsmodellen, Waffen und Fahnen aus den Anfängen der österreichischen Marine aufgebaut, die in seinem Schloss in Kainberg (Österreich) aufbewahrt wurden. Die sowjetische Besatzungsarmee hat einen Großteil dieser Sammlung in Besitz genommen, der Rest wurde das Opfer von Erbteilungen.
In den letzten Lebensjahren litt er unter einer schweren Asthma, an der er am 22.Mai 1897 auf seinem Besitz in Battaglia bei Padua starb . Mit nastasia Sina hatte er zwei Söhne: Siegfried und Simon.